Hundsärsch und Heringe beim Altstadter Naturschutzbund

Zuerst gab es Butterbrote mit Hundsärschgelee, danach eingelegte Heringe mit Kartoffeln aus ökologischer Landwirtschaft: Die etwas sonderbare Menüfolge, die der Altstadter Naturschutzbund seinen Mitgliedern zu bieten hatte, war eher das Ergebnis von Zufällen als einer gezielten kulinarischen Planung. Die Konfitüre aus der Mispel hatte Ulrike Praschmo den Umweltaktivisten spendiert, nachdem sie im vergangenen Herbst auf den Grundstücken des Vereins und mit dessen ausdrücklicher Zustimmung Ernte gehalten hatte. So konnten der NABU nun feststellen, dass aus den eher spröden Früchten nicht ein herber Schnaps, sondern auch eine sehr leckere Marmelade hergestellt werden kann und dass die Mispelbüsche nicht nur dazu gut sind, Vögeln und anderen Tieren Zuflucht zu bieten. Und die Heringe wurden dem Helferstab als kleines Dankeschön für die über das Winterhalbjahr absolvierten ehrenamtlichen Arbeitseinsätze kredenzt. Auf gut zwei Dutzend summierten sich heuer die Treffs mit Heckenschere und Spaten, wobei neben den größeren "Arbeitsdiensten" am Wochenende auch zwischendurch immer wieder kleinere Aufgaben zu erledigen waren.

Über den alljährlich fälligen und vor Frühjahrsbeginn rechtzeitig zu Ende gebrachten Einsatz informierte Kurt Wolf. Als "Vogelwart" ist er zuständig für die Kontrolle und Instandhaltung der Nisthilfen. Über 100 solcher künstlichen Nester hat der Altstadter Naturschutzbund in Feld und Flur aufgehängt. "Gut die Hälfte war von Kohl- und Blaumeisen besetzt. Aber auch Feldsperlinge, Kleiber und Baumläufer hatten sich im letzten Jahr bei uns einquartiert". Und auch Hornissen und Wildbienen habe er bei seinem zusammen mit Günter Kleis vorgenommen Kontrollgang angetroffen. Kurios die Begegnung bei der Kontrolle einer Höhle in der Nähe des Brandweihers: "Da haben wir einen Siebenschläfer aus seinem Winterschlaf geweckt. Der Bilch hat sofort Reißaus gesucht", skizzierte Kurt Wolf. Nur eine Handvoll der Kästen ist nach seinen Worten im letzten Jahr unbewohnt geblieben, zwei weitere wurden "geklaut". Nicht eingesehen worden seien die Hilfen, die im Bereich des Zollbahnhofes installiert sind. "Durch die neue Nutzung des Geländes als Schotterhalde kommen wir an unsere Grundstücke nicht mehr gut heran, es wäre einfach auch zu gefährlich", berichtete der Vogelwart. Bis zur nächsten Kampagne soll nun eine Lösung für dieses Problem gesucht werden. Kurt Wolf kündigte jedenfalls an, das die nächste "Saison" auch seine letzte in Sachen "Nistkastenbetreuung" sein werde. Im kommenden Jahr werde er sich nicht mehr wählen lassen.

Zu berichten gab es dann auch noch, dass der Streuobstgürtel zwischen Lappentascher Hof und Zollbahnhof mit 20 neuen Obstbäumen ergänzt wurde. Was vor gut 15 Jahren mit ersten Pflanzaktionen begonnen wurde, habe sich inzwischen zu einem interessanten Lebensraum entwickelt. "Jetzt, nach getaner Arbeit, können wir mit dem Fernglas genau erkennen, welche Früchte unsere Einsätze tragen", meinte Bernd Binkle, der stellvertretende Vorsitzende. Mit Beginn des Frühlings werde dieser gut ein Kilometer lange Streifen quer durch die Landschaft allein schon durch die dort neu heimischen Vogelarten dokumentieren, welche Bedeutung derartige Grüninseln haben - Neuntöter und Schwarzkehlchen, Goldammer und vielleicht sogar der Wendehals seien die Belege dafür.

Martin Baus

 

 

 


Bei einem der gut zwei Dutzend Arbeitseinsätze, die der Altstadter Naturschutzbund im Laufe des Winterhalbjahres erledigte: Günther Kleis bei der Pflege des Wäschbaches am Ortseingang von Limbach her.
Foto: Martin Baus
 
 

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Letzte Änderung: 30.03.2006