Sensenkurs mit Berhard Lehnert

"Jetzt ist nämlich wirklich Sense - mit dem elenden Rasenmäher", meinte zu guter Letzt einer der Teilnehmer, schulterte sein neu erstandenes Werkzeug und machte sich auf den Nachhauseweg. Dass er von seinem motorisierten Gartengerät gehörig die Schnauze voll hatte, daran hatte er schon im Verlauf des Lehrgangs keinen Zweifel gelassen. Handarbeit in Sachen Grasschnitt sei bei ihm jetzt auch deswegen angesagt, weil ihn der ständig versagende Anlasser zur Weißglut gebracht habe. "Jetzt kommt eben die gute alte Sense zu neuen Ehren", stand ihm die Vorfreude auf die Arbeit gleichsam ins Gesicht geschrieben. Denn schließlich habe er eben gesehen und selbst die Probe aufs Exempel gemacht, dass mit diesem Utensil das Gras genauso akkurat in Form zu bringen ist wie mit dem benzinbetriebenen Apparat.


Bernhard Lehnert hatte gerade demonstriert, wie leicht der fachgerechte Gebrauch der Sense von der Hand geht - "wenn man dieses Metier denn beherrscht". Wie die Sense richtig zu führen und richtig zu pflegen ist, das wollten rund 20 Frauen und Männer wissen. Sie kamen am Rande einer Streuobstwiese zusammen, die dem Altstadter Naturschutzbund gehört. Der Umweltverband hatte in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule auch zu dem Workshop eingeladen, und dass die Schar der Sensenmänner schon auf dem Zug zum Treffpunkt ein illustres Szenario abgab, verdeutlichten die Kommentare am Straßenrand. "Zieht ihr vielleicht in den Bauernkrieg", war etwa hier zu hören, während da von fachkundigerer Seite darauf verwiesen wurde, dass die Sensen erst Mal ordentlich gedengelt werden müssten. Und just diese Kunst, die metallenen Blätter nach alter Tradition zu schärfen, hatte die meisten Akteure angelockt. Bernhard Lehnert, Betreiber der "Bliesgau-Sensenwerkstatt" in Walsheim, hatte am Wegesrand schon ein ganzes Arsenal von unterschiedlichen Utensilien zu diesem Zweck installiert. Von Dengelstock über Dengelhammer bis hin zum Wetzstein war die Palette des erforderlichen Handwerkszeugs in den unterschiedlichsten Varianten aufgebaut.
Mit dem Hammer werde das Sensenblatt Schlag für Schlag dünn geklopft wie eine Rasierklinge. "Teng, teng, teng" sei in früheren Zeiten auf dem Dorf ein vertrautes Geräusch gewesen - und untermalte jetzt auch den Altstadter Kurs. Ronald Merklein war gar so begeistert davon, dass er vom Dengelstock überhaupt nicht mehr loszueisen war. Mit dem feuchten Wetzstein, den man früher in einem mit Wasser gefüllten Kuhhorn oder - etwas vornehmer - in einem speziellen Becher, am Gürtel mit sich führte; bekam die Schneide den letzten Schliff. Aber es liege nicht am Dengeln allein. Die Sense müsse auch richtig eingestellt sein, sonst hackt sie - und dabei sollte sie locker vom Hocker durch das Gras gleiten. Bernhard Lehnert stellte die Sense dazu mit dem Griff auf dem Boden auf und zeigte, wie der Bogen zu sitzen hat.


"Rechter Fuß nach vorne, gerade halten, Oberkörper mitdrehen ... . So ist es richtig - und jetzt einfach loslegen und probieren!", gab er dann quasi die Order zum Aufbruch. Zweimal zu sagen brauchte er das nicht, und von der über 80 Jahre alten Routiniere Edelgard Rojan bis hin zu blutigen Anfängern wie Harald Pfeiffer wurde im Dutzend die Sense geschwungen was das Zeug hielt. Sensen gebe es lang und kurz, gerade und gebogen, breit und schmal - welcher Gestalt sie zum Einsatz komme hänge von dem Material ab, das gemäht werden soll. "Aber es gilt grundsätzlich: Mähen mit der Sense ist eine umweltfreundliche Technik: leise und ohne zusätzliche Energie außer der menschlichen Muskelkraft. Jeder kann mähen lernen, alles reine Übungssache"., betonte Bernhard Lehnert. Früher habe ja auch jeder gewusst wie. Und beim Sensen sollte man sich angewöhnen, immer ein Stück Gras stehen zu lassen - für Insekten wie Schmetterlinge etwa. Gerade Brennnessel- und Distelecken seien manchmal die interessantesten Biotope in dieser Hinsicht.


Martin Baus



"Teng, teng, teng": Beim Dengeln soll das Blatt der Sense scharf wie eine Raserklinge werden: Ronald Merklein war ganz begeistert in seiner Rolle als Scharfmacher.



"Eine Sense so scharf wie Gift", pries ein altes Werbeschild das Werkzeug an, an dem Bernhard Lehnert in die richtige Dengeltechnik einführte.


 

"Rechter Fuß nach vorne, gerade halten, Oberkörper mitdrehen" - keine Haltung beim Tanz, sondern für den Umgang mit der Sense lernten die Teilnehmer des Altstadter Lehrgangs in Sachen umweltfreundliches Mähen.

Fotos: Martin Baus


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Letzte Änderung: 21.06.2006