Altstadter Naturschutzbund war dem Steinkauz im Bliesgau auf den Fersen

15.06.2009

Gleich reihenweise in die Röhre schauten die Naturkundler, und zwar mit wachsender Begeisterung. An die Fersen des Steinkauzes hatten sie sich geheftet, und um der Nachteule im putzigen Miniaturformat gewahr zu werden, war es nun einmal unumgänglich, die künstlichen Nisthilfen zu inspizieren. Das geschah natürlich behutsam und unter der fachkundigen Regie eines ausgewiesenen Fachmannes. Peter Mende, der nicht weniger als 160 Brutstätten für den kugelförmigen Vogel mit den großen Augen betreut, führte die Teilnehmer der Exkursion zu den versteckten, aber kauzträchtigen Winkeln der Region. Schauplatz der Natur-Tour, die vom Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Volkshochschule durchgeführt wurde, war der Bliesgau, die "Parr" genauer gesagt.

"Diese Gegend rund um Medelsheim ist wie die Umgebung beispielsweise von Böckweiler oder Wolfersheim ein nahezu idealer Lebensraum für den Steinkauz", skizzierte Mende. Speziell uralte Obstbäume sind seinen Ausführungen zufolge für die seltene Spezies unentbehrlich, und wenn diese sich dann noch in traditionellen Streuobstwiesen befinden, bieten sich für den Vogel nahezu paradiesische Verhältnisse. Der für sein Kauz-Engagement frisch mit der saarländischen Ehrenamtsnadel dekorierte Pfälzer (aus Zweibrücken-Wattweiler) demonstrierte eindrucksvoll, dass er mit dieser Art in der Tat auf Du und Du steht: Flugs öffnete er die ausgeklügelte Röhre und holte mit geübter Hand den flaumigen Besatz heraus. Nachwuchs frisch aus dem Ei gepellt oder schon im ersten Federkleid, Muttertiere und sogar den Hausherrn präsentierte Mende nicht nur - wem danach war, der konnte die kuscheltierähnlichen Knäuel auch in die Hand nehmen. Die ließen sich die Streicheleinheiten auch gerne gefallen und blieben wie angewurzelt dort sitzen, wo sie gerade platziert worden waren.

Freilich war der Ausflug des Altstadter Umweltverbandes nicht als Schmusekurs gedacht, sondern als Anschauungsunterricht. Nachdem im letzten Herbst auf einer vereinseigenen Streuobstwiese unter Anleitung von Peter Mende Kauzröhren installiert worden waren, sollten nun Lebensraum und Funktionsweise dieser künstlichen Behausungen in Augenschein genommen werden. Und so stellte sich vor Ort denn zwangsläufig auch die Frage, ob es denn überhaupt realistisch sei, an eine natürliche Ansiedlung der Minieule in Altstadt zu denken. Schließlich sei der derart wieder aufgepäppelte Bestand im Bliesgau doch ein gutes Stückweit entfernt von der Ortschaft westlich von Homburg. Der Exkursionsleiter hatte die lebendige Antwort dafür parat. Anhand der Beringung konnte er nachweisen, dass ein Kauzweibchen aus Medelsheim 2002 in der Nähe von Stuttgart zur Welt gekommen ist und seit 2003 in der "Parr" eifrig für Nachwuchs sorgt. "Wenn das Tier den Weg aus Schwaben hierher geschafft hat, warum sollte es ein anderes nicht von hier aus nach Altstadt schaffen?", sah er die Chancen ganz optimistisch.

Martin Baus




Streicheleinheiten für Steinkäuzchen: Marion Geib vom Altstadter Naturschutzbund und Exkursionsleiter Peter Mende mit zwei der kuscheligen Eulchen in Medelsheim.

Fotos: Martin Baus, Marion Geib

 



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Letzte Änderung: 14. Juni 2009