Der Große Wiesenknopf war die große Überraschung

NABU-Ortsgruppen Altstadt und Niederbexbach nahmen das "Kühnbruch" unter die Lupe

10.09.2009

Dass es nicht damit getan ist, ein Naturschutzgebiet einfach nur auszuweisen und es dann sich selbst zu überlassen, betonte Peter Wolff im Rahmen der Exkursion mehrfach ausdrücklich. Am Beispiel des "Kühnbruchs" verdeutlichte er, wie sehr gezielte Pflege notwendig sei: "Wenn diese nicht oder nur sporadisch stattfindet, dann ist die Schutzwürdigkeit eines solchen Areals bald in Frage gestellt". Der Botaniker führte auf Einladung der Bexbacher und Altstadter Ortsgruppen Naturschutzbundes durch das Feuchtbiotop, das sich auf einer Fläche von rund 29 Hektar beidseitig der Autobahn 6 erstreckt.

Der passionierte Pflanzenkundler war 1983 Mitautor des wissenschaftlichen Gutachtens, das letzthin ausschlaggebend für die offizielle Unterschutzstellung des "Kühnbruches" war. Wolff hatte damals 19 Pflanzenarten entdeckt, die auf der "Roten Liste" der vom Aussterben bedrohten Spezies stehen, darunter das landauf, landab einzigartige Vorkommen des "Wasserampfers", der seit mehr als ein 100 Jahren als ausgestorben galt. Diese auffällige, mannshohe Pflanze gab es auch im Rahmen der aktuellen Begehung in Augenschein zu nehmen. Aber insgesamt, so der Exkursionsleiter, habe sich der Zustand des Naturschutzgebietes wesentlich verschlechtert. "Zwar werden ab und zu im Behördenauftrag Pflegemaßnahmen durchgeführt, aber die reichen bei weitem nicht aus, um den Lebensraum der seltenen Tier- und Pflanzenarten auf Dauer zu erhalten", unterstrich er. Am Beispiel zweier Teiche, die durch dichten Bewuchs ringsum als solche kaum mehr zu erkennen sind und bald völlig verlandet sind, machte Wolff auf die Problematik aufmerksam. "Wir hatten vorgeschlagen, die Gehölze entland der Ufer komplett zu beseitigen. Dazu gab es anfangs zwar Ansätze, die aber waren sehr halbherzig." Dabei seien eine Vielzahl der besonderen Pflanzen gerade in diesen Teichen nachgewiesen worden.

Aber auch Positives gab es im Verlauf der Natur-Tour, die in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Volkshochschule stattfand, zu entdecken. "Das Kühnbruch ist zweifelsohne eines der nassesten Naturschutzgebiete, das wir im Saarland und in der Pfalz haben. Allgemein ist nämlich zu beobachten, dass es aufgrund erhöhter Wasserförderung flächendeckend zur Austrocknung kommt. Von daher ist das Gebiet nach wie vor ganz besonders wertvoll", hob Wolff hervor. Auch die mageren Wiesen, die sich auf Altstadter Seite befinden und auf denen sehr behutsame und extensive Landwirtschaft betrieben werde, seien von besonderer Bedeutung. Auf diesen stießen die Teilnehmer dann tatsächlich auch auf eine Pflanze, die bisher im Naturschutzgebiet nicht nachgewiesen war und die nun in großer Anzahl vorkommt, den "Großen Wiesenknopf". Auf ihn angewiesen sei, so Peter Wolff, die nicht minder seltene Schmetterlingsart namens "Wiesenknopf-Ameisenbläuling". Dessen Raupen fressen die Blütenstände von innen heraus ab, um dann eine biologische Kuriosität zu starten: Sie begeben sich in die Hand von Ameisen, um sich durch den Winter bringen zu lassen. Normalerweise vertilgen die Ameisen Raupen massenhaft, der spezielle Bläuling habe aber eine besondere Strategie entwickelt, bei den Ameisen zu überwintern und sich sogar von ihnen zu ernähren. "Aber die Pflanze, auf die allein dieser Schmetterling spezialisiert ist, ist äußerst selten", freute sich der Botaniker über den unerwarteten Fund im "Kühnbruch".

Martin Baus

Problem "Riesenbärenklau": Das mitunter gefährliche Gewächs aus dem Kaukasus greift im Naturschutzgebiet "Kühnbruch" immer mehr um sich. Der Botaniker Peter Wolff machte im Rahmen der Exkursion auf das Problem aufmerksam.


"Schmalblättrige Wasserpest" im verlandenden Teich: Nur noch wenige der früher vorkommenden, seltenen Pflanzenarten konnte der Botaniker Peter Wolff (vorne) bei der Exkursion im "Kühnbruch" ausfindig machen.


Der Botaniker und der Große Wiesenknopf: Peter Wolff entdeckte die seltene und für eine besondere Schmetterlingsart ganz wichtige Pflanze auf der Altstadter Seite des Kühnbruchs erstmalig.

Fotos: Martin Baus

 


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Letzte Änderung:: 10. September 2009