Von Torfstichen und Moorleichen, Korbflechtern und Irrgelichtern

Altstadter Naturschutzbund war auf Exkursion im Landstuhler Bruch

 

7. Juni 2010

„Einzigartig in Europa“, charakterisierte Eva Schillo die Westricher Moorniederung, die gemeinhin unter dem Namen „Landstuhler Bruch“ geläufig ist. Die Geologin und Geographin aus dem westpfälzischen Hütschenhausen ist ausgewiesene Expertin für das Areal, das sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit genauestens unter die wissenschaftliche Lupe genommen hat. Das länderübergreifende „Gebrüch“, das in seinen westlichen Ausläufern bis zum Tal der Blies bei Homburg und Altstadt einerseits reicht und im Osten andererseits durch Kaiserslautern begrenzt wird, war nun Schauplatz einer Exkursion, in deren Verlauf die speziellen Merkmale der sehr eigenen Landschaft vorgestellt wurden. Der Altstadter Naturschutzbund und der Alpenverein Zweibrücken hatten in Kooperation mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule dazu eingeladen.

Entstanden sei das „Bruch“, wie das 40 Kilometer lange und zwischen drei bis sieben Kilometer breite Moor landläufig genannt wird, als sich in einem lang andauernden geologischen Prozess im Norden und Süden Höhenzüge hoben und die Niederung zwischen sich einschlossen. Der Fachbegriff für diese Art Moor laute „Schichtstufenmoor“. Und dieses, so Schillo, sei in ganz Europa tatsächlich einmalig. „Für ungeübte Augen sieht das Gebiet zumeist gar nicht nach einem typischen Moor mit Wasser- und Torfflächen aus“, skizzierte die Geographin. Auch historisch seien viele Stellen des Moores von wichtiger Bedeutung: Der unscheinbare Frohnbach etwa, der über die wildromantische Elendsklamm dem Bruch zufließt, bildete im 9. Jahrhundert die Grenze zwischen Deutschland und Lothringen. Lange Zeit trafen an ihm die Herrschaften Kurpfalz, Sickingen und Pfalz-Zweibrücken aufeinander.

Im Verlauf der Wanderung wurden aber auch die für ein Moor typischen Phänomene angesteuert: alte Torfstiche, in denen ebenso braun-brackiges Grundwasser anstand wie Entwässerungsgräben, die sich auf langer Strecke schnurgerade durch die ebene Landschaft ziehen. „Tatsächlich haben Wasserentnahme und landwirtschaftliche Nutzung das Bruch verändert“, bestätigte Eva Schillo. Auch die in den 1960er- und 1970er-Jahren übliche exzessive Düngung habe sich sehr negativ ausgewirkt. Die vielfältige Nutzung sei jedoch kein Neuland, sondern historisch. „Die Urbarmachung begann im 18. Jahrhundert“, ließ die Exkursionsleitern Revue passieren. Noch um das Jahr 1800 war das Gebiet wegen seiner ausgedehnten Sümpfe beinahe unzugänglich und ließ sich nur via spezieller Knüppeldämme überqueren. Während des Hochwassers im Frühjahr entstanden oft sogar weite Wasserflächen, die die Verwendung von Booten erforderlich machten. Während zahlreicher Stopps an prägnanten Schauplätzen informierte Schillo über Pflanzen wie Moorbirke, Kiefer und Korbweide, Teufelsabbiss und Wiesenknopf, über den mehligen Silbersand, der zur Glasherstellung und als Scheuerpulver verwendet wurde, über Korbflechten, Torfstiche, die tägliche Arbeit im Moor. Auch Moorleichen und „Irrlichter“ fehlten in ihren Ausführungen ebenso wenig wie das „Schwipp- Schwapp-Schaukelmoor“, einen Schwingrasen auf feuchtem, instabilem Grund, den die Kinder in den Dörfern entlang des Bruchs früher als „Hoppelwiese“ und damit als eine Art Trampolinersatz nutzten.

Zum Abschluss der Natur- und Kultur-Tour gab es im „Grumbeerkeller“ in Miesau schließlich noch eine passende „Moorvesper“: „Duppches-Grumbeere“ (Pellkartoffeln, die in Salz und Butter gedippt werden) fanden sich dabei ebenso auf dem Büfett wie Brote mit Ziegenkräuterquark, „Eierschmeer“ und eine sehr spezielle „Moorbowle“.

Martin Baus




 

zurück zur Übersicht
Letzte Änderung: 24. Juni 2010