Altstadter „Schnatgang“ vom Friedhof in den Biergarten

11.April 2011

Ein Acker und ein Parkplatz, auf denen sich vor vielen Jahrhunderten das einstige Dorf befand, der frühere Standort der mittelalterlichen Kirche auf dem Friedhof und ein Grenzstein von 1756, der ganz im Verborgenen zu suchen war, das waren einige der Attraktionen, die im Lauf des „Altstadter Schnatgangs“ in Augenschein genommen wurden. Geschichte und Geschichten, Kultur und Besonderheiten der Natur standen im Blickpunkt der knapp zweistündigen Exkursion.

"Schnatgänge wurden in früheren Zeiten in regelmäßigen Abständen durchgeführt, um eventuelle Grenzfrevel oder natürliche Schäden an Grenzzeichen erkennen zu können. Diese Ortstermine fanden im Frühjahr und im Herbst statt, wenn die saisonalbedingt spärliche Vegetation das Aufsuchen von Grenzmarkierungen eben erleichterte“, erläuterte Martin Baus, unter dessen Führung die Exkursion in heimische Gefilde stand.

Zu der heute eher als kultur- und naturkundlichen Tour organisierten Wanderung hatten der Altstadter Naturschutzbund und die saarpfälzische Volkshochschule eingeladen. Groß war die Resonanz: Rund 25 Interessierte nahmen den teilweise beschwerlichen Weg entlang der Grenze zu Limbach und Niederbexbach auf sich. Auch das 1829 mit Steinen der abgerissenen Kirche gebaute Schulhaus am Ende der Turmstraße oder das „Pumpenhäuschen“, über das ab 1925 die Haushalte des heutigen Kirkeler Ortsteils erstmals mit Trinkwasser versorgt wurden, waren Stationen der Begehung.

Aber auch die Besonderheiten des Naturschutzgebietes "Kühnbruch" wurden nicht außer Acht gelassen. So wurde etwa der über zwei Meter hohe, „Große Wasserampfer“, der vor gut 25 Jahren mithin ausschlaggebend für die Unterschutzstellung des Feuchtbiotops war, vorgestellt. Passiert wurde auch die auf Niederbexbacher Gemarkung liegende Woogsacker Mühle, die in ihren Ursprüngen ebenfalls bis ins Mittelalter zurückreicht und auf der um 1600 Vorfahren des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker lebten. Mundartlich sei das Anwesen nach wie vor als „Wodsacker Mühle“ geläufig, und was die Ähnlichkeit der Namen verdeutliche.

Nicht außer Acht gelassen wurden auch die ersten behutsamen Renaturierungsarbeiten an der Blies. Gut vier Jahrzehnte nach der Begradigung des Flusses und der damit verbundenen Zerstörung des natürlichen Laufs wurde über Winter Maßnahmen in die Wege geleitet, mit deren Hilfe die Blies sich selbst wieder ihren Weg durch das Wiesental suchen soll - was freilich weitere Jahrzehnte dauern dürfte.

Bei herrlichem Sonnenschein ging es schließlich in den Biergarten des Altstadter Dorfbrunnens, wo Wirt Michael Petry und seine Frau Gabi bereits mit einem frisch gezapften Bier auf die Schar der Schnatgänger wartete.

Martin Baus





Fotos: Marion Geib

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Letzte Änderung: 30.05.2011