Botanisch-erotische Wanderung durch die Mimbacher "Badstube"

Wie das so ist mit den Bienen und Blüten erläuterte Willi Hammer bei der botanischen Wanderung des Altstadter Naturschutzbundes in der Mimbacher Badstube, hier am Beispiel von Salbei. Foto: Martin Baus

 

Foto: M. Geib

23. Mai 2011

Bocksriemenzunge, Brand-Knabenkraut, Waldvögelein und vor allem unterschiedliche Ragwurz-Varianten: Eine Fülle prächtiger Orchideen gab es für die Teilnehmer der pflanzenkundlichen Wanderung in Augenschein zu nehmen, die im Naturschutzgebiet „Badstube“ bei Mimbach stattfand. Der Altstadter Naturschutzbund hatte in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule zu der Exkursion eingeladen, und mehr als zwei Dutzend Interessierte waren ganz passioniert bei der botanischen Sache. Das lag freilich auch daran, wie Willi Hammer Biologie und Wesen der seltenen Wildblumen erklärte. Der frühere Lehrer am Homburger Mannlich-Gymnasium schaffte es mit Mutterwitz und Ironie, das doch nicht ganz einfache Feld der Pflanzenkunde anschaulich zu machen.

Erst einmal stand aber eine Lektion in Sachen Geologie auf dem Programm: „Wir befinden uns hier im Mittleren Muschelkalk, der vor ungefähr 200 Millionen Jahren entstanden ist“, skizzierte Willi Hammer und erinnerte daran, dass die Region damals ein Meer war. Bevor es auf die schmalen Pfade im Steilhang der südlich ausgerichteten und damit extrem warmen „Badstube“ ging, gab es für die Wanderer auf der Webenheim-Wattweiler Höhe die Gelegenheit, weithin Umschau zu halten – nicht nur weite Blicke in den Bliesgau, sondern sogar auf den Schaumberg boten sich.

„Ein griechischer Philosoph war der erste Naturforscher, der um 300 vor Christus die Knabenkräuter wissenschaftlich erstmals erwähnte. Wegen der doppelten Wurzelknollen und der Ähnlichkeit mit den männlichen Genitalien bezeichnete er sie ‚Orchis’, was auf Deutsch Hoden heißt. Und er begründete den Aberglauben, dass Frauen, die die stärkere und saftigere der beiden Knollen aßen, einen Knaben gebären würden. Auch der deutsche Name ‚Knabenkraut’ ist so abgeleitet“, informierte der Exkursionsleiter. Heute würden Orchideen nicht mehr als wirksame Heilkräuter angesehen - mit Ausnahme der Vanille, einer exotischen Art, die mit ihrem intensiven Geschmack in der Küche gerne Verwendung finde.

Aber damit war es noch nicht genug der botanischen Schlüpfrigkeiten: Angesichts der unterschiedlichen Ragwurzarten brachte Willi Hammer die Rede auf ihre spezielle Methode der Fortpflanzung. „Diese Pflanzen sind Meister der Täuschung. Sie haben Blüten, die bestimmten Insekten ähneln und zwar so sehr, dass auch die Männchen dieser Arten der tatsächlichen Auffassung sind, sie hätten es mit Weibchen zu tun. Neben der Ähnlichkeit ihrer Blüten bieten die Pflanzen den kurzsichtigen Insekten aber auch noch einen Duftstoff an, der dem Sexuallockstoff der Weibchen ziemlich ähnelt“. Das Insektenmännchen gehe der Orchidee jedenfalls ganz gehörig auf den Leim, setze sich auf deren Blüte und lege los mit der Befruchtung. Irgendwann bemerke das Männchen aber, dass es keinem Weibchen aufgesessen ist, fliege mit den Pollen fort, lasse sich aber gleich von der nächsten Orchideenblüte wieder betören, landet und sorgt so für die Bestäubung der Art. Der Botaniker: „Die Pflanze versteht es also, die Insekten genau für ihre Zwecke einzuspannen“. So kam das Fazit zum Schluss der Exkursion in Mimbach, das ein Teilnehmer zog, nicht von ungefähr: „Das war ja fast wie ein erotischer Film, der sich bei all den Verführungskünsten in unseren Vorstellungen abgespielt hat“.      

Martin Baus


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Letzte Änderung: 13.06.2011