Altstadter Naturschützer auf Exkursion in den Grand Canyon von Freyming-Merlebach

Juni 2013

Auf dem Grund des Talkessels, canyonartige Steilwände aus Buntsandstein als Kulisse:
Die „Carrière“ von Freyming-Merlebach war Schauplatz einer Exkursion des Altstadter Naturschutzbundes.   
Foto: Martin Baus   


 

Die Sonne brannte unerbittlich auf den kargen Boden, so dass bereits in nicht allzu großer Entfernung die Luft in der Hitze flimmerte. Heißer Wind peitschte durch den ebenen Kessel, trieb Sand in Augen und Nasenlöcher, aus den schwarzen Teichen ragten abgestorbene Bäume wie warnende Zeigefinger in den stahlblauen Himmel. Das Kontrastprogramm dazu: Frösche quakten, Vögel zwitscherten und ab und an zogen Jogger oder andere Lustsportler ihre Runden: Das waren die äußeren Bedingungen, unter denen die jüngste Exkursion des Altstadter Naturschutzbundes stattfand. In Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Kreisvolkshochschule war dieses Mal ein ehemaliger Industriestandort Schauplatz der naturkundlichen Wanderung – die ehemalige Sandgrube von Freyming-Merlebach nämlich.

Unter Leitung von Marion Geib, der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im Saarland, wurde von Karlsbrunn aus nach einer kurzen Wanderung durch den kühlenden Warndtwald die Aussichtsplattform angesteuert, der zu Füßen die „Carrière“ liegt. Auf einem vorragenden Stahlgestell, unter dem es fast 100 Meter senkrecht in die Tiefe geht, bot sich ein grandioser Rundblick auf das einstige Sandabbaugebiet, und insbesondere die canyonartigen Felswände begeisterten die Teilnehmer. „Der hier abgebaute Sand wurde dazu verwendet, um damit die Stollen zu verfüllen, die durch den Kohlebergbau entstanden sind“, erläuterte Marion Geib die Entstehungsgeschichte des riesigen Kessels. Die Verfüllung mindere die Gefahr von Grubensenkungen und anderen bergbaubedingten Erdbewegungen.


Nach Beendigung der Kohleförderung sei nunmehr die Renaturierung der Grube in die Wege geleitet worden – so bieten die mehr als zwei Kilometer langen Steilwände aus Buntstandstein nicht nur imposante Einblicke in die Erdgeschichte, sondern auch seltenen Vogelarten Lebensraum – für Uhu, Wanderfalke oder eine große Dohlenkolonie beispielsweise. Beeindruckend bei letzteren war insbesondere die Zielgenauigkeit, mit der die schwarzen Vögel trotz hoher Geschwindigkeit genau die Felsspalte in der Steilwand anpeilten, in der sich ihr Gelege oder auch schon der Nachwuchs befand.

Aber auch die Wasservogelwelt in den Teichen und Weihern – diese haben sich nach Angaben von Marion Geib gebildet, weil das Grundwasser nach der Einstellung des Bergbaus nicht mehr abgepumpt wird und deswegen mit der Zeit wieder auf sein natürliches Niveau ansteigt – bot einiges an Raritäten: Haubentaucher mit ihrem Nachwuchs etwa oder verschiedene Entenarten, Blesshühner und Graureiher. Aber auch Frösche, vor allem die üppigen grünen Wasserfrösche, haben den aufgelassenen Industriestandort und auch eigens für sie angelegte Tümpel schon massenhaft erobert – an allen Ecken und Enden gab es lautstarke Froschkonzerte, zudem tummelten sich im Wasser Unmengen von „Mollekepp“ oder winzig kleine Frösche, die die Metamorphose gerade erst hinter sich hatten. Der Wasserpegel werde noch weiter ansteigen, informierte Marion Geib, und zwar so weit, dass aus sämtlichen Wasserflächen am Grund des Talkessels eine einzige geworden ist. Über vier Stunden dauerte die Exkursion, die übrigens immer wieder ganz unmerklich die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich querte.    

Martin Baus         

 

    
 

In der Carrière, Fotos: Marion Geib



 

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