Mitgliederversammlung 2014

Altstadter Naturschutzbund zog kritische Bilanz

Dass die Zahl der Mitglieder in kurzer Zeit auf über 300 gestiegen ist, lag nicht etwa daran, dass Interesse und Engagement für Umwelt- und Naturschutz plötzlich gestiegen seien. Es stünden deswegen so viele Namen wie noch nie in der Kartei des Altstadter Naturschutzbundes, weil sich die Kirkel-Neuhäuseler Ortsgruppe im vergangenen Jahr selbst aufgelöst hatte und rund 40 ihrer Mitglieder nunmehr in Altstadt Aufnahme fanden. „Ansonsten hat sich an unserem Bestand kaum etwas geändert“, skizzierte Schriftführer Hans-Joachim Schindelhauer-Deutscher vor der Generalversammlung die Entwicklung des Vereins.
Mit dem Erwerb einer Wiese unmittelbar am Feilbach habe der Altstadter NABU seinen Grundbesitz nunmehr auf über sieben Hektar erweitert, skizzierte Vorsitzender Martin Baus in seinem illustrierten Jahresrückblick. Auf dieser Fläche nahe der Woogsacker Mühle sei in Kooperation mit den Pfalzwerken ein Storchenhorst aufgestellt worden, der nunmehr zweite in Altstadter Gefilden. Während Adebar als Nahrungsgast längst wieder ein gewohnter Anblick insbesondere in der Talaue der Blies sei, habe er sich indes nicht entschließen können, das Nistangebot anzunehmen. „Wir sehen den Storch zwar häufig auf den Plattformen, aber eine Brut findet bislang noch nicht statt“, skizzierte der Vorsitzende.
Das Eigentum an Grund und Boden bringt nach seinen Worten viel Pflegeaufwand für den Verein mit sich. Ganz gleich, ob es sich um den Rückschnitt von Heckensäumen, Obstbäumen und Kopfweiden, Neupflanzungen von Büschen und Bäumen oder auch die sehr intensive Unterhaltung eines Bachlaufs handelt, über Winter stünden regelmäßig Arbeitseinsätze auf dem Programm. „Das alles wäre ohne unseren Helferstamm gar nicht möglich“. Groß sei auch die Resonanz bei den naturkundlichen Wanderungen, die im letzten Jahr der Pflanzenwelt der Limbacher Sanddüne, Vögeln im Naturschutzgebiet Kühnbruch, dem Steinkauz im Bliestal sowie der vorbildlichen Renaturierung einer großen Sandgrube im Warndt galten. Nach wie vor sei dem Altstadter NABU die industrielle Nutzung des Zollbahnhofes ein Dorn im Auge, zumal sie nicht vereinbar mit den Vorgaben des Landesentwicklungsplans Umwelt oder des Biosphärenkonzeptes Bliesgau sei. Die juristischen Verfahren, die seitens der Gemeinde Kirkel und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) betrieben werden, um die Festlegungen des Zollbahnhofes als „Vorranggebiet für Naturschutz“ und als „Pflegezone“ gegen das Saarland und die Eisenbahnbehörden durchzusetzen, sieht der NABU nun vor der entscheidenden Phase. Den Stellungnahmen, die bei Gericht eingereicht wurden, sei in vielfältiger Weise zugearbeitet worden. Die Versuche des im Zollbahnhof ansässigen Unternehmens, mithilfe verschiedener Aktionen die durch die industrielle Nutzung angerichteten Schäden zu kompensieren, sei entweder Ausdruck schlechten Gewissens oder gezieltes „Greenwashing“ – also die inzwischen übliche Praxis, weiträumige Naturzerstörungen durch werbewirksame Einzelmaßnahmen zu verschleiern.
Ein herber Schlag gegen den Naturschutz sei freilich auch die Trassierung einer neuen Straße zum Industriegebiet „Zunderbaum“; der Schneise durch den Altstadter Wald sei ein wertvoller Altbuchenbestand zum Opfer gefallen; Ausgleichsmaßnahmen, die – falls sie überhaupt stattfinden – seien für diesen schwerwiegenden Eingriff vor Ort keine vorgesehen. „Wenn dafür in Ensheim zwei Dutzend Obstbäume gepflanzt werden, wie vorgesehen, dann nützt uns das in Altstadt zunächst einmal gar nichts“, betonte Baus. Immer größer wird die Zahl der künstlichen Nisthilfen, die seitens der Altstadter Naturschützer in Feld und Flur betreut werden. Aktuell seien es 156 an der Zahl, wie Vogelwart Dieter Geib erläuterte. Beim Gros handele es sich um Häuschen für Singvögel, von denen rund vier Fünftel belegt waren. Aber auch für Fledermäuse, Hornissen, Eulen und Steinkauz würden Quartiere – über die gesamte Gemarkung verteilt -  angeboten und betreut.
Kaum Veränderungen gab es bei den Neuwahlen. Martin Baus, der nunmehr seit 25 Jahren Vorsitzender ist, bleibt ebenso im Amt wie sein Stellvertreter Bernd Binkle. Auch Schriftführer Hans-Joachim Schindelhauer-Deutscher und Kassierer Hans-Jürgen Sand wurden bestätigt – letzterer führt die Kasse des Vereins seit der Gründung 1980 und konnte wiederum ein gutes Polster vermelden. Beisitzer bleiben Dieter Geib (Vogelwart), Heinz-Günther Wolf, Herbert Biehl und Marion Geib (Internet). Neu in die Riege der Beisitzer gewählt wurde Patric Heintz.


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