Neue Frisur für Altstadter Kopfweiden

Bubiköpfe für die Bäume von der sonderbaren Gestalt:
Patric Heintz, Hannes Sand, Gerhard Schneider, Lothar Schneider und Dieter Geib (v.l.) vom Altstadter Naturschutzbund beim Schneiteln der Kopfweiden. Foto: Martin Baus


Dass Weidenruten stark nachgefragt sind, diese Erfahrung machte der Altstadter Naturschutzbund bei seinem jüngsten Arbeitseinsatz. Gartenliebhaber, Korbflechter, Kunsthandwerker und Kindergärten standen regelrecht Schlange, um ein Kontingent der begehrten schlanken Gerten zu ergattern. Beete damit natürlich einzufrieden, dekorative Bündel für das Wohnzimmer zu schnüren oder lebendige Tunnels und Tipis damit zu bauen, das waren die Vorhaben, welche mittels der grünen Stecken realisiert werden sollten. Der Umweltverband erfüllte freigiebig alle Wünsche, zumal beim diesmaligen Schneiteln seiner Kopfweiden die begehrten Reiser in Hülle und Fülle anfielen.

Die wegen ihrer auffälligen Gestalt ins Auge stechenden Bäume am „Bruchgraben“ unweit des Zollbahnhofes standen im Mittelpunkt der Aktion in Sachen Naturschutz. Ihnen eine neue „Frisur“ zu verpassen lautete die Aufgabe, die sich das Nabu--Helferteam gestellt hatte. Das etwa einen Hektar große Feuchtgebiet war von dem Altstadter Umweltverband vor mehr als 30 Jahren angelegt worden. Das Gelände befindet sich zum Teil im Eigentum des Umweltverbandes, zum Teil haben aber auch private Grundstücksbesitzer ihre Parzellen für den Naturschutz zu Verfügung gestellt. Bei der Bepflanzung des Terrains anno 1982 waren Weidenstöcke in den feuchten Erdboden gesteckt worden. Diese haben sich zwischenzeitlich zu ansehnlichen Büschen und Bäumen „gemausert“.

Diese Kopfform der Weide hat eine alte Tradition: Früher stand sie in Wiesen, um einerseits die Ufer von Bächen, Gräben und Teichen auf natürliche Weise zu befestigen und vor Abbrüchen zu schützen. Andererseits wurde aus ihr auch ganz praktischer Nutzen gezogen; der Rückschnitt auf den Stamm diente auch der Gewinnung von Weidenruten, die beim Flechten Verwendung fanden. Körbe entstanden so in kunstfertiger Handarbeit, die bei der Kartoffelernte zum Beispiel eingesetzt wurden. Dem Altstadter Naturschutzbund geht es heute aber darum, die Kopfweide als Lebensraum für verschiedene Vogelarten zu erhalten oder auch wieder anzubieten. Allerdings ist der Wiedehopf noch nicht wieder zurückgekehrt, der als auffälliger und farbenprächtiger Gast früher in den Kopfweiden heimisch war. Aber die Weidenmeise ist durchaus häufiger in den Bäumen von der merkwürdigen Gestalt beobachten, deren fachgerechter Schnitt im Fachjargon als „Schneiteln“ bezeichnet wird. „Angeleiert“ worden war die Pflanzung von Kopfweiden im übrigen vom ehemaligen Nabu-Kreisvorsitzenden Winfried Fromm aus Lautzkirchen. Der in regelmäßigen Abständen erforderliche Rückschnitt der langen Triebe zurück auf eine Art „Bubikopf“ ist inzwischen zur Routine geworden - binnen weniger Stunden waren auch die knorrigsten Gesellen zurechtgestutzt und präsentierten sich im neuen Outfit. Mehr Licht und Sonne wird künftighin auch der Teich haben, der sich inmitten des Biotops befindet. Speziell Molche fühlen sich in dem Tümpel mit dem klaren Wasser pudelwohl. „Wenn die Sonnenstrahlen des bevorstehenden Frühjahrs den Tümpel bescheinen, wird den kleinen Vierbeinern die Fortpflanzung sicher noch einmal so viel Spaß machen“, erläuterte einer der NABU-Aktivisten einen weiteren Hintersinn des Pflegeeinsatzes. Heiße Erbsensuppe aus der Küche von Marion Geib, kredenzt in der gut gewärmten Jagdhütte im Märchenwald, beschloss den Arbeitseinsatz.
    
Text und Foto: Martin Baus

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